Der Anfang unserer Geschichte
Ich wollte schon immer einen Hund.
Gleichzeitig wusste ich aber auch immer: So, wie mein Leben lange aussah, wäre das nicht fair gewesen. Ein Hund verdient Zeit, Präsenz, Verlässlichkeit – und die konnte ich ihm mit einem klassischen 5-Tage-Job vor Ort einfach nicht geben.
Dann kam ein Jobwechsel mit aussicht auf HomeOffice und kurzdarauf Corona.
Und plötzlich war Homeoffice früher als erwartet da – und mit ihm der Raum, diesen Wunsch ernsthaft zuzulassen.
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Also begann ich, mich mit Rassen zu beschäftigen. Nicht oberflächlich, sondern wirklich intensiv. Durch Bekannte fiel die Wahl irgendwann auf den Australian Shepherd. Intelligent, sensibel, arbeitsfreudig – aber eben auch anspruchsvoll. Nach einem Gespräch mit meiner damaligen Partnerin begann ich, Züchter zu kontaktieren. Und ehrlich? Das war alles andere als einfach.
Was zunächst wie ein Zufall wirkte, entwickelte plötzlich eine eigene Dynamik. Über eine Bekannte kam der Kontakt zu Bianca von „of Chocolate Soul“ zustande, ganz in der Nähe. Ein freier Platz in einem Wurf, welcher grade unterwegs war – und auf einmal ging alles schneller, als gedacht.
Schon bei der ersten Kontaktaufnahme war mein Wunsch klar: ein Blue-Merle-Rüde. Kurz darauf wurde ich in die WhatsApp-Welpengruppe aufgenommen und bekam mit, dass alle anderen Wartenden sich eine Hündin wünschten. Ich war der Einzige, für den das nicht infrage kam, ich wollte ein Rüden. Geplant waren sechs Welpen – und ich ging fest davon aus, dass sich darunter mein Weggefährte finden würde.
In einem Gespräch sagte Bianca irgendwann beiläufig:
„Einen Red-Merle-Rüden gebe ich nicht an Erstbesitzer, die sind oft nicht so einfach.“
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Kein Problem – ich bestellte ja sowieso einen Blue Merle.
Ein brauner Hund war für mich ehrlich gesagt nie auf dem Plan gewesen, auch wenn mich MP, Biancas Rüde, sehr beeindruckt hatte.
Je mehr Menschen ich von meinem Plan erzählte, desto öfter hörte ich Sätze wie:
„Oh, da kommt aber was auf dich zu.“
Oder: „Mit dem musst du fünf Stunden am Tag raus.“
Ich hatte mich intensiv informiert, viel gelesen, zugehört und nachgefragt. Diese gut gemeinten Warnungen wollte ich nicht mehr hören – nicht aus Leichtsinn, sondern weil ich wusste, worauf ich mich einlasse.
Also hieß es warten.
Am 09.02.2022 am Nachmittag war es dann so weit.
Baby 1: Hündin. „😊 ohh es geht los“
Baby 2: Hündin. „😊 Spannend“
Baby 3: Hündin. „😊 ok, gleich kommen die Rüden“
Baby 4: Hündin. „🤨 langsam wird es knapp“
Baby 5: Ein Rüde! „😁 Jaaa… oh nein Red Merle. 😒“
Baby 6: wieder eine Hündin. „😒😥“
Ups.
Plötzlich stand alles auf dem Kopf.
Kompromiss? Eine Blue-Merle-Hündin?
Aber das hätte für andere Interessenten nicht mehr gepasst.
Die Freude schlug kurz in Enttäuschung um.
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Dann legte Ingrid, die Besitzerin von Papa Pancho, ein gutes Wort für mich ein. Ich wohne um die Ecke, Hilfe wäre da, wenn es schwierig wird.
Also doch ein Red Merle?
Braun statt Grau?
„Wir schauen ihn uns mal an.“
Der erste Besuch bei diesen kleinen „Meerschweinchen“ – und ich war schockverliebt.
Erledigt.
Plötzlich hätte ich auch keinen Blue Merle mehr gewollt. Ich hatte schließlich den hübschesten Kerl von allen.
(Okay, es waren außer Ihm nur Mädels – aber trotzdem.)
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Anfang April zog Timba bei mir ein.
Zuhause angekommen erkundete er erst einmal die Wohnung. Und dann bekam er sein Lieblingsspielzeug: ein Schaf von IKEA. ARMSJÖN.
Warum ich das erwähne?
Weil es das einzige Spielzeug ist, das bis heute überlebt hat. Ich habe später sogar zwei auf Vorrat nachbestellt. Man weiß ja nie.
Und dann wartete ich auf den angekündigten „Teufels-Aussie“.
Auf die fünf Stunden draußen am Tag.
Also: Leine dran, raus.
Und Timba?
Setzte sich hin.
Und blieb sitzen.
Er hatte schlicht keine Lust, selbstständig zur Wiese zu laufen.
Da wurde mir schnell klar:
Nein – es geht nicht um fünf Stunden Bewegung. Und bitte, macht das nicht mit einem Welpen.
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Wenn ihr euch für einen Aussie entscheidet, ist das Wichtigste: Ruhe lernen.
Hört nicht auf die, die euch erzählen, ihr müsst fünf Stunden täglich marschieren. Das ist schlicht falsch. Ja, ein Aussie will ausgelastet werden – aber wenn ihr früh immer mehr macht, fordert er später auch immer mehr.
Kopfarbeit schlägt Kilometer. Immer.
Also haben wir am Anfang gar nicht viel „gelernt“.
Wir haben die Welt entdeckt – bewusst dosiert.
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Irgendwann sahen wir einen Aufruf für ein Casting als Rettungshund. Wir machten mit.
Im Urlaub kam dann die Nachricht: Wir sind dabei.
Timba wird Rettungshund.
Die Ausbildung war nicht immer leicht. Beim Mantrailing war Timba oft unterfordert, fast gelangweilt.
Und Bianca? Sie war mega Stolz auf den kleinen, dass er nicht der angekündigte Teufel ist.
Und trotzdem: Er war ein Flummi. Motorisch extrem stark.
Sein Herz verlor er im Training beim Trümmern.
Drunter, drüber, denken, schnüffeln, Mensch finden – und dafür belohnt werden. Das war seins.
Mit etwa zweieinhalb Jahren fand Timba seinen Platz in der ASP-Suche. Woche für Woche Einsätze, Verantwortung, eine klare Aufgabe. Er ging darin auf.
Dann verschoben sich die Dinge plötzlich.
Ein Teil unseres gemeinsamen Weges endete unerwartet – und Timba musste diese Arbeit hinter sich lassen.
Gerade in dieser Phase zeigte er mir, wer er wirklich ist. Ich hatte ihn lange unterschätzt.
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In einer Zeit, in der vieles schwer wurde und manches leise ins Rutschen geriet, war Timba da. Nicht laut, nicht fordernd – einfach präsent. Er ist ein feinfühliger, sensibler Hund, der jede Stimmungsänderung wahrnimmt und sich sonst eher zurückzieht. Doch genau dann, wenn Nähe gebraucht wurde, blieb er nicht auf Abstand. Er kam. Ohne Aufforderung, ohne Erwartung, ohne Bedingungen.
Timba ist für mich nicht einfach nur ein Hund.
Er ist mein Held in leisen Momenten, mein Anker, wenn alles ins Wanken gerät – ein treuer Begleiter, der bleibt, in guten Zeiten genauso wie in schweren.
Diese Geschichte ist nicht zu Ende.
Sie wächst weiter.
So wie wir.